Freitag, 13. Juni 2014

Unsere Odyssee Teil I


Erinnert ihr Euch, dass ich vor Monaten schrieb, es stehen große Veränderungen bevor und ich würde davon berichten? Nun ja...manchmal kommt es alles anders als man denkt.

Veränderungen, ja! Der Weg dorthin...die reinste Odyssee!

Wie ihr wisst, habe ich die letzten Jahre in Berlin gearbeitet. Ich bin viel gependelt und am Ende habe ich das große Glück gehabt, von zu Hause aus arbeiten zu können. Nun stellte sich für uns natürlich die Frage, wo wollen wir nach der Elternzeit weiter leben. Berlin, Jena oder ganz woanders?
Recht schnell stand für uns fest, wir gehen nach Berlin! Ich mochte meinen Job dort, Daniel hatte ebenfalls Lust auf etwas neues und generell musste Luftveränderung und ein Wohnungswechsel her. Diese Entscheidung haben wir uns nicht leicht gemacht, haben wochenlang abgewogen und immer wieder hin und her überlegt. Denn es gab durchaus einige Bedenken. Daniels Familie lebt in Jena. Daniels große Tochter ebenfalls und das bedeutet viel hin und her zu reisen, um den Kontakt weiterhin beizubehalten. Für mich gab es ebenfalls Nachteile. Meine Familie lebt im Ruhrgebiet und in Freiburg (Breisgau). Die ohnehin schon weiten Entfernungen sind dann noch weiter. Außerdem leben viele meiner wichtigsten Freunde in Leipzig und Chemnitz - beides Orte, die man von Jena aus schnell mal erreichen kann und für die sich ein Tagesausflug lohnt. Sind wir in Berlin, geht das alles nicht mehr. Wir würden ziemlich viel aufgeben, oder was meint ihr?

Natürlich gab es auf der anderen Seite auch Vorteile: Beste Karrierechancen für mich, günstigere Wohnungen als in Jena, viele Freunde in Berlin und die Möglichkeit viel Neues zu erleben!

Gesagt, getan...wir begannen alles in die Wege zu leiten. Arbeitgeber Bescheid gesagt, neuen Vertrag unterschrieben, Wohnung gekündigt, Daniel bat seinen Arbeitgeber um einen Aufhebungsvertrag. Wir fingen an, regelmäßig nach Berlin zu reisen. Zuerst begann ich im tiefsten Januar und kaltem Winter mit der Suche nach einem Kindergartenplatz. Ich suchte in der Nähe meiner Arbeitsstelle. Es stellte sich heraus, dass Charlottenburg eine harte Nuss ist, was Kita-Plätze betrifft. Die Chancen standen schlecht, obwohl Milou auf vielen vielen Wartelisten stand. Eine Tagesmutter kam nicht so recht in Frage, da die Öffnungszeiten für uns nicht praktikabel gewesen wären. Daniel hat als Erzieher Schichtarbeit und ich im IT-Bereich und als Hauptverdiener kann nicht jeden Tag das Büro um 15 Uhr verlassen. Trotz schlechter Aussichten auf einen Kita-Platz hofften wir erstmal auf etwas Glück.

Im Februar begannen wir dann mit der Wohnungssuche. Anfang Juni wollten wir umziehen, damit genug Zeit bleibt, um Milou an den neuen Ort zu gewöhnen, bevor es in den Kindergarten geht. Was soll ich sagen, das hatten wir uns leichter vorgestellt. Zwar gab es viel mehr Wohnungsangebote als in Jena und günstiger waren die Wohnungen auch, doch so richtig wollte sich auch hier nichts ergeben. Wir schauten uns unzählige Objekte an und immer gab es einen Haken. Der häufigste Haken war: Die Wohnung ist zu weit weg von meiner Arbeit mit mindestens eine Stunde Fahrtweg - das macht stolze zwei Stunden am Tag! Das geht als Single, aber nicht mit Kleinkind, denn am Ende bleibt da keine Zeit für ein gemeinsames Familienleben. Zweiter Haken bei vielen Wohnungen: zu teuer. Wir haben schon eingeplant, deutlich mehr zu zahlen als bisher, aber irgendwo gibt's doch auch eine persönliche Schmerzgrenze. Und alles, was halbwegs gut an Charlottenburg angebunden war, sprengte unser Budget. Als Alternative blieb nur Plattenbau und das kam nicht in Frage. Darin wohnen wir jetzt auch, für sehr wenig Geld. Wir hocken immernoch in unserer Studentenwohnung und es stand fest, dass wir nur nach Berlin gehen, wenn sich an unserer Wohnsituation auch etwas verbessert. Dann hatten wir eine sehr schöne Wohnung in Potsdam gefunden, die Zusage hatten wir schon. Man, was haben wir uns gefreut.

Und dann kam alles anders. Die Maklerin gab uns das OK, die Wohnungsgesellschaft jedoch hatte ein Problem mit meiner Elternzeit. Wir gingen noch einmal in uns und entschieden, dass auch diese Wohnung knapp über unserem Budget liegt. Die Miete war zwar ok, wenn man aber Fahrtkosten und Kita-Kosten dazu rechnet, klang alles ganz und gar nicht mehr machbar.

Also alles auf Anfang, wir suchen noch einmal von vorn. Wieder schauten wir uns unzählige Wohnungen an, diesmal für etwas weniger Geld. Doch es gab kaum noch Angebote in unserem Preissegment und in akzeptabler Entfernung zum Büro. Die Wohnungsgenossenschaften sind voll, haben nur noch Neubau im Angebot. Viele Angebote auf Immobilienscout entpuppten sich als Betrugsfälle, wo irgendjemand nur auf die Überweisung der Kaution aus ist. Unter den Wohnungen, die wir uns tatsächlich anschauten, war wieder nichts familientaugliches dabei. Es war nun Mitte Mai und uns rannte so langsam die Zeit davon. Ohne Wohnsitz gibt es natürlich auch keinen Kindergartenplatz und den brauchten wir ganz dringend bis Anfang August. Wir wurden panisch und unsere Suche wurde immer verkrampfter. So langsam fragten wir uns, wo das Glück bleibt. Je mehr wir uns bemühten, umso weniger richtig fühlte sich alles an. Uns schien einfach nichts zuzufliegen. In Jena kehrte der Frühling ein, alles blühte wieder auf....wir fühlten uns wohl! Immer häufiger fragten wir uns, ob das in Berlin auch so sein wird. Wahrscheinlich nicht :-(

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